Mittwoch, 2. November 2011

17. Eine Vermessungslinie? 3 Landschaftsgeometrien

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Vergleich
zwischen einer mutmaßlichen Breitenkreislinie
und der wahrscheinlich jüngeren West/Ost-Visurlinie

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Hinweis


Eine Breitenkreis-Linie des Pentagramm-Systems:  



Die folgende Skizze zeigt die
verlängerte, nördliche Breitenkreis-Linie des Pentagramm-Systems (rot)
im Vergleich zur Drösiedl-Visur (blau).
    --- Die Linie vom Kreuzstein zum Gerichtberg Hardegg ist keine Sichtlinie, sondern nach dem Breitenkreis ausgerichtet. (Bei beiden Linien Abweichungen durch topographische Gegebenheiten).
    --- Hingegen zeigt die Linie nach Landshut, vom Mittelpunkt zwischen Külmitzberg und Osterfeuerspitze ausgehend, den typischen Verlauf einer West-Ost – Visur.

Die Unterschiede in einer deutlicheren Skizze:
Die Genauigkeit der Ostvisur wird offenbar durch aufwändige,
paarweis-flankierende Streckenmessungen, vom Külmitzberg
und der Osterfeuerspitze aus, verbessert oder abgesichert.



Die Genauigkeit
der Külmitzberg-Osterfeuerspitze-Drösiedl – Linie

Oben:   Startwinkel beim Ausgangspunkt zu den einzelnen Stationen (Ost  º 0°).
Unten:  Nord-Süd – Abweichung vom Breitenkreis des Startpunktes.

Bemerkung:
Die Streuung entsteht teilweise dadurch, daß Bergkuppen oder andere charakteristische Topoi fast immer vom berechneten Idealpunkt abweichen. Im Bereich zwischen 120 und 200 km vom Startpunkt liegt eine reichgegliederte Landschaft vor, die ohneweiters die dort auftretende, in den Diagrammen sichtbare Unruhe erklären kann. Ob zur Zeit der Errichtung zusätzliche Male an den genauen Fixpunkten gesetzt wurden, ist mir nicht bekannt.
 
Vorherige Posts:

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Überlegungen zum Thema

            Es besteht die Frage, warum wurden unterschiedliche Techniken angewandt? Vielleicht war es zu verschiedenen Zeiten leichter, je nach vorhandenem Werkzeug, die eine oder andere Methode anzuwenden. Man muß bedenken, daß die Polhöhenbestimmung nur in der Ost-West-Richtung direkt handzuhaben ist (für alle anderen Richtungen sind zusätzliche Berechnungen erforderlich).
            Die Linien dürften in einem erheblichen Zeitabstand konstruiert worden sein. Denn es ist unwahrscheinlich, daß in dem engen Bereich eine zweite Linie angelegt wird, wenn die erste noch gut bekannt und brauchbar ist. Es muß also neuerdings ein dringender Bedarf vorhanden gewesen sein.

            Sind die gefundenen Argumente beweisend? Das Zusammenspiel der geometrischen Linien mit charakteristischen Ortsnamen ist zwar auffällig, jedoch kommen ähnliche Ortsnamen auch überall gestreut vor. Sind sie dort Hinweis auf weitere Vermessungen? Jedenfalls mindert dies die Überzeugungskraft der Namen auf den vorgeschlagenen Linien. Volle Sicherheit kann also nicht vorausgesetzt werden.
            Interessant wäre auch, ob ein im Umfeld konstruierter Sonnenkompaß genau genug sein könnte, die Vermessungsarbeiten sinnvoll zu unterstützen.

            Ich konnte erfahren, daß Drösiedl einmal herrschaftliche Beziehung zur Burg Kollmitz hatte; über die Zeit leider nichts. Das zu wissen, wäre aus dem Grund interessant, weil sich bei der Entstehung, wie es auch bei der Auffindung der Linie geschehen war, aus dem Kollmitz-System der Külmitzberg mit seiner Linie entwickelt haben könnte.
Weitere Informationen:
            Schon im 9. Jhdt. hörten wir von einem Berg namens Colomezza bei Pöchlarn. Wir erinnern uns an das Geschlecht der Chalmunze, 1135 erwähnt, das entweder den Namen mitbrachte, oder sich nach dem Kollmitzberg nannte. Kollmitzberg Süd wird 1260 genannt. Es war ursprünglich eine Wehrkirche. ?Die Burg Kollmitz kam 1371 an Hermann, den Chalmünzer, der auch auf Drösiedl residierte? Nennungen von "Chalmunze" etc. vor 1250 sollen sich auf Kollmitzberg Süd beziehen (wiki). (? Waren also die Chalmünzer bei beiden Kollmitzbergen ansässig ?)

            Schloß Drösiedl, erbaut von den Herren von Drösiedl (die sich angeblich nach dem Ort benannten), wurde 1238 erwähnt. 1407 geht Drösiedl an Jöbstel, Ritter von Hofkirchen. Im 16. Jh. ist Drösiedl und Burg Kollmitz in der Hand derer von Hofkirchen. Die Sonnenuhr ist mit 1578 datiert. Die Stadt Landshut wurde 1384 gegründet.
          
Nach O. S. Reuter konnte die Ost-West-Richtung nur aus der Nord-Süd-Richtung bestimmt werden.
Erst Tycho Brahe (1546-1601) hat wissenschaftsgeschichtlich die Genauigkeit erreicht,
die zur astronomischen Konstruktion von Breitenkreisen nötig wäre. (Wolfhard Schlosser).
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Ein ähnlicher Fall scheint beim Bodenberg-System vorzuliegen: 
Die Breitenkreis-Linie vom Großen Bodenberg F über den Bodenberg bei Mank G 
scheint in späterer Zeit mittels einer Peil-Linie Richtung Westen verlängert worden zu sein. Diese verläuft über Bodenberg C, der in Urkunden auch als Puebenberg erwähnt wird, zum
Bubenberg 3, der selbst wieder auf einer Schnittstelle mehrerer Peil-Linien liegt. War die Technik der Erstellung von Breitenkreisen zur Zeit der Verlängerung schon vergessen?  

S: Peil-Linie als Verlängerung der Breitenkreislinie F-G
Ort                Höhe     Breite (WGS84) Länge     Entferng. (m)  Winkel  Winkel ° v. N.

Bodenbg. G          532         48,05961               15,33533                  0                    ---                   ---

Bodenbg. C          585         47,97921               13,29854             151.885            87,380            92,620
Bubenbg. 3          413          47,95782               12,88325             182.923            87,361            92,639

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Ähnliche Linien an anderen Orten

 Zur Bedeutung solcher Linien konnte ich bisher keine Antwort finden. Wolfhard Schlosser erwähnt im Buch über Archäoastronomie, Sterne und Steine p.119, einen Bericht von Coray und Voiret über eine West-Ost – Linie in Graubünden, die über das Tal des Oberrheines hinwegführt. Sie verbindet die Kirchen Siat, Ladir, Schluein, Vitg dadens (ein Ortsteil von Sagogn) und Valendas. Ob es sich dabei um eine Visur- oder Breitenkreis-Linie handelt konnte ich bisher nicht eruieren.

Ortsname
Breite
 (°nB)
Länge
(°öL)
Entfernung (m)
Winkel
(°v.N.)
Siat, Ort
46,79194
9,16194
9.157
87,444
Ladir, Ort
46,79000
9,20500
5.870
88,161
Schluein, Ort
46,79000
9,23000
3.966
87,300
Vitg dadens, Kirche (Sagogn)
46,78889
9,25417
2.121
88,321
Valendas, Kirche
46,78833
9,28199
0
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